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Nach alter Rechtslage konnte ein Paar grundsätzlich nur dann kirchlich heiraten, wenn es sich zuvor standesamtlich hat trauen lassen. Mit der Einführung der Zivilehe in Deutschland im Jahr 1875 zu Bismarcks-Zeiten wurden Priester bestraft -mit Haft bis zu drei Monaten, zu Nazi-Zeit sogar fünf Jahre Gefängnis -, wenn sie eine kirchliche Hochzeit vollzogen ohne dass das Paar auch standesamtlich geheiratet hatte. Auch zu heutiger Zeit noch stellte der Verstoß gegen die Trauung ohne vorherigen Gang zum Standesamt eine Ordnungswidrigkeit dar.
Dies soll nun ganz anders sein. Das Recht der Eheschließung wurde durch das neue Personenstandsgesetz grundlegend geändert, denn: Das heiratswillige Paar kann sich nunmehr auch dann kirchlich trauen lassen, selbst wenn sie nicht standesamtlich geheiratet haben und auch nicht standesamtlich heiraten werden.
Aber Achtung: Das Paar, welches sich nur kirchlich trauen lässt, sollte sich vollumfänglich darüber bewusst sein, dass sie sich ohne zivilrechtliche Ehe – also standesamtlicher Trauung – aus juristischer Sicht lediglich in einer „nichtehelichen Gemeinschaft“ befinden werden. Dies hat zur Konsequenz, dass bei Scheitern dieser Ehe keine zivilrechtlichen Scheidungsfolgen entstehen werden, die jedoch insbesondere für den „schwächeren“ Ehepartner sehr wichtig sein können, wie

  • kein Unterhaltsanspruch (Trennungsunterhalt und/oder nachehelicher Unterhalt)
  • keine Durchführung des Versorgungsausgleichs
  • kein Zugewinnausgleichsanspruch

Selbst wenn die Ehe nicht scheitern sollte, bestehen erhebliche Nachteile, wie

  • kein gesetzliches Erbrecht
  • kein Steuerfreibetrag
  • kein Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht
  • kein Recht bei der Totensorge

Die Rechtsanwaltskanzlei Cäsar-Preller rät von daher Paaren, die ernsthaft ausschließlich die kirchliche Ehe in Betracht ziehen, sich vorher über die rechtlichen Folgen gründlich aufklären zu lassen – dies gilt in besonderem Maße für die Frau, wenn die klassische Eheaufteilung „Arbeit – Haushalt, Kinder“ stattfinden soll, mithin wenn es einen eindeutig „schwächeren“ Partner in dieser Ehe geben wird.

von Rechtsanwältin Gaber

Erfahrungen & Bewertungen zu Kanzlei Cäsar-Preller