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Wie hat ein Gericht ein Urteil abzufassen? Bis auf einige formelle Voraussetzungen, aufgestellt durch § 313 ZPO, sagt das Gesetz hierzu wenig. Dadurch jedoch, dass sich in der Praxis gewisse Strukturen eingebürgert haben und diese auch in der Ausbildung den künftigen Richtern so beigebracht werden, sind gerichtliche Urteile der Form und dem Aufbau nach immer ziemlich ähnlich zu lesen. Festzuhalten ist aber: Per se gesetzlich vorgeschrieben ist eine bestimmte Form nicht.
Es dürfte wohl daher rühren, dass uns doch immer mal wieder recht vergnügliche Urteile bekannt werden, in denen ein Richter sich einmal den althergebrachten „Fesseln“ seiner Ausbildung erledigt und ein Urteil verfasst, welches uns Juristen dann, die wir uns ja zumeist doch in einer höchst trockenen Sprache ausdrücken müssen, höchstes Vergnügen bereitet! Doch lesen Sie die folgenden Auszüge selbst:
Die Klägerin liebt Schweinebraten –
Besonders, wenn er billig ist –
Drum hat der Onkel ihr geraten:
„Kauf dieses süße Ferkelchen
Von mir für hundert Märkelchen –
Wenn das nicht superbillig ist!
Ich mäste es im Koben hier
Und du ersetzt das Schrotgeld mir!“
DerFreund, befragt, hält’s auch für billig
Und einen guten Tipp fürwahr,
Und ohne Murren zahlt er willig
Zweihundert Mark gleich schon in bar
Das Ferkelchen bleibt lange klein,
Will gar nicht gerne schlachtreif sein,
Statt nur vier Monat, wie gedacht,
Benötigt es beinahe acht.
Ums Schrotgeld nun für diesen Braten
Ist man sich in die Haar‘ geraten.
(…)
Die Klägerin, nun voller Groll
Beantragt: Der Beklagte soll
Ihr gutes Geld ihr wieder geben,
Nachdem das Schwein nicht mehr am Leben!
Doch der Beklagte wendet ein:
„Die Klag‘ wird abzuweisen sein“
 (…)
Lang dacht‘ ich nach und angespannt
und hab‘ alsdann für Recht erkannt:
Zur Hälfte ist wohl grade eben
dem Klageantrag stattzugeben.
Die Klägerin war mit dabei
Bei Schweinekauf und -mästerei
Die Geldhingabe nur allein
Kann doch wohl nicht entscheidend sein
Es muss ihr unbenommen bleiben
Das Geld nun wieder einzutreiben
Sie hat ja auch ein Recht darauf
weil er erfolglos blieb, der Kauf 
Doch dem Beklagten umgekehrt
Ist es mit Recht dann nicht verwehrt
Zu rechnen auf mit dem Verluste
Den er dabei hinnehmen musste:
Denn Fleischbeschau und Schlachterkosten
Das sind ja wohl die beiden Posten,
Die eigentlich und immerhin
Bezahlen müsst die Klägerin
.Hätt‘ die Vertragspflicht sie gewahrt
Dann hätte er das Geld gespart
Weil keiner hat gewonn‘ von beiden
Drum haben – das ist einzuseh’n –
Sie beide auch gleich stark zu leiden
Und für die Kosten einzusteh’n
So wurde aus dem Ferkelchen
Für ach nur hundert Märkelchen
So billig sollt es sein
Ein furchtbar teures Schwein!
So gesprochen- wie alle gerichtlichen Urteile- im Namen des Volkes! Wer uns nicht glaubt, dass es sich hier tatsächlich um ein echtes Gerichtsurteil handelt, mag folgendem Hinweis nachgehen: Urteil des Amtsgerichts Oldenburg vom 16.03.1987 zum Az. 3 C 443/86.
 Mitgeteilt von Rechtsanwalt Cäsar-Preller 
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